Geschichte der Schüleraktion

Jedes Jahr mit Schulbeginn wird das Grazer Stadtbild wieder bunter, bereichert um jene Volksschulklassen aus der Steiermark, die ihren Graz-Tag absolvieren. Gemeinsam mit ihren Lehrerinnen und Lehrern begeben sie sich auf Entdeckungsreise durch die Stadt Graz – fachkundig und kindgerecht geführt von den steirischen Fremdenführerinnen und Fremdenführern der Tourist Guides. Doch der Tagesausflug wäre nicht komplett ohne den Besuch des Schloßbergs, einen Abstecher ins Zeughaus oder einen Ausflug nach Schloss Eggenberg. Und damit all dies reibungslos funktioniert und möglichst kostengünstig bleibt, gibt es die Aktion „Schülerinnen und Schüler besuchen die Landeshauptstadt“. Die „guten Geister“ der Aktion – seit Herbst 2008 Barbara Zöhrer (zuvor lange Jahre Evelin Glaser) und Hans Timischl – arbeiten im Hintergrund und tragen mit viel persönlichem Einsatz zum Gelingen der Gesamtorganisation bei.

Pro Jahr besuchen 6000 bis 8000 Schulkinder mit etwa 700 Begleitpersonen die Stadt Graz. Hochsaison herrscht in den Monaten Mai und Juni. Dann haben alle Beteiligten alle Hände voll zu tun und auch die Wirtschaft darf sich über den Umsatzbeitrag der SchülerInnen freuen – denn was wäre ein Ausflug ohne Eis, Getränke, Würstl, Pizza und Pommes?

Ein Blick zurück zeigt die lange Tradition der Graz-Aktion, gibt es sie doch schon seit 1955 (einst „Schüler- und Jugendgruppen besuchen die Landeshauptstadt“). Damals ermöglichte die Stadt Graz steirischen Schulklassen einen zunächst kostenlosen Graz-Aufenthalt. So wurden z.B. auch die gesamten Fremdenführerkosten (damals ATS 11,00 pro Führung) übernommen. 1965 wurde u.a. in der „Tagespost“ über diese Aktion und die Tatsache berichtet, dass man sich 1965 über eine Vermehrung der Besuchergruppen um 117% freuen konnte.

Wie alten Korrespondenzen zu entnehmen ist, gab es leider schon damals immer Finanzierungsprobleme und die Verantwortlichen mussten stets um die Finanzierung kämpfen. 1988 wurden die budgetären Mittel um 55 % überschritten.

Wurde die Aktion über Jahrzehnte vom Stadtschulamt betreut, so hat sich die Stadt Graz ab 2002 ganz aus dieser Verantwortung gezogen. Aufgrund der Initiative zweier Fremdenführerinnen, Evelin Glaser und Mag. Maria Matzer, gelang es den Fortbestand der Aktion zu sichern und diese neu zu organisieren.

Seit einigen Jahren werden die Kosten fast zur Gänze vom Land Steiermark getragen, 2008 durfte man sich erstmals über einen Zuschuss vom Tourismusverband Graz freuen. Leider herrscht Jahr für Jahr ein Ringen und Kämpfen um die Fördergelder. Im Laufe der Jahre wurde das Budget um mehr als 50% gekürzt, das Programm dennoch erweitert.

Durchschnittlich werden pro Kalenderjahr rund 1.300 Einzeltermine koordiniert. Bei der Erstellung der Zeitpläne ist ein Name nicht wegzudenken – der des nunmehr pensionierten Hauptschullehrers Hans Timischl. Er zeichnet seit über 25 Jahren als Terminkoordinator für die zeitliche Abfolge der Programmpunkte – von der Stadtführung über das Mittagessen bis zur Sternwarte – verantwortlich und fungiert demnach als Informationsschnittstelle.

Im Jahr 2019 wurde aus der „Schüleraktion“ ein Verein. Als Obfrau fungiert Barbara Zöhrer, die 2008 die Projektleitung übernahm.

Das Jahr 2020 hinterließ auch bei der Schüleraktion tiefe Spuren. Bis zum ersten Lockdown gab es bereits 263 Anmeldungen. Letzten Endes konnten nur 12 Schulen das Programm in Anspruch nehmen. Im Herbst blickte man noch optimistisch in die Zukunft, dann kam aber der herbe Rückschlag durch die Förderabsage der Abteilung 6 Bildung und Gesellschaft. Aufgrund dieser Budgetkürzung ist es leider nicht mehr möglich, die Schüleraktion Graz in gewohnter Form durchzuführen. Die Programmkoordination des „Graztages“ ist den Kürzungen zum Opfer gefallen. Dies bedeutet, dass das gesamte Programm (Museen, Mittagessen usw.) nun von den Schulen selbst organisiert werden muss. Dank der Unterstützung von Herrn Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer und dem Tourismusverband Graz können aber weiterhin geförderte Stadtführungen und erstmals auch geförderte Schloßbergführungen angeboten werden können.

Wir blicken aber weiterhin optimistisch in die Zukunft und hoffen, dass die Schüleraktion Graz im Jahr 2022 wieder in gewohnter Form aktiv werden kann.

Der größte Lohn für alle an der Aktion Beteiligten ist und bleibt die Reaktionen der Kinder: Von kugelrunden Augen über große Freude und überraschende Fragen bis hin zu Danke-Karten mit Fremdenführer*innen-Porträts reicht die Palette. Graz ist den Kindern auf jeden Fall einen Besuch wert – früh übt sich, wer Städtetourist werden möchte!

Statistik

1955 56 Klassen 1.855 Teilnehmer
1965 124 Klassen 3.472 Teilnehmer
1975 304 Klassen 8.154 Teilnehmer
1976 259 Klassen 7.252 Teilnehmer
1977 294 Klassen 7.938 Teilnehmer

Bis 1982 haben insgesamt 132.689 Kinder und 9.803 Begleitpersonen (4.910 Klassen) an der Aktion teilgenommen.

2004   6.541 Kinder, 845 Begleitpersonen
2005   6.599 Kinder, 881 Begleitpersonen
2006   6.511 Kinder, 871 Begleitpersonen
2007 Rekord!!! 7.732 Kinder, 1.029 Begleitpersonen
2008   6.147 Kinder, 853 Begleitpersonen
2009   6.796 Kinder, 943 Begleitpersonen
2010   6.198 Kinder, 855 Begleitpersonen
2011   5.960 Kinder, 872 Begleitpersonen
2012   5.511 Kinder, 799 Begleitpersonen
2013   5.751 Kinder, 690 Begleitpersonen
2014   5.819 Kinder, 734 Begleitpersonen
2015   5.214 Kinder, 655 Begleitpersonen
2016   5.247 Kinder, 652 Begleitpersonen
2017   5.504 Kinder, 665 Begleitpersonen
2018   5.643 Kinder, 699 Begleitpersonen
2019   5.135 Kinder, 678 Begleitpersonen
2020   Dieses Jahr wird uns als „Corona-Jahr“ in Erinnerung bleiben! Bis 13.03.2020 gab es bereits 263 Anmeldungen (4.256 Kinder, 544 Begleitpersonen). Tatsächlich konnten/durften 12 Schulen mit 211 Schüler*innen und 29 Begleitpersonen die Landeshauptstadt besuchen – selbstverständlich unter Einhaltung aller Covid-Maßnahmen. Wir haben uns über jede einzelne Klasse gefreut!
2021   Wir sind optimistisch ;-)